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Physiotherapie & Training - Alles aus einer Hand

Longierts du schon oder schleuderst du noch?

10/3/2022

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Longieren verschleisst die Gelenke und ist langweilig. Diese Vorurteile übers Longieren höre ich öfters. In meinem Beitrag möchte ich vor allem auf den ersten Aspekt eingehen.
Wenn ich Pferde sehe, die ausgebunden auf einer mehr oder weniger grossen Volte longiert werden, trifft dieses Vorurteil des Verschleissens leider zu.
Wenn wir im herkömmlichen Sinn longieren, wo der Mensch auf der Stelle tritt und das Pferd um sich kreisen lässt, sieht man eben öfters ein „Schleudern statt Longieren.“ Das Pferd kann sich dabei nicht ausbalancieren und versucht je nach Pferdetyp, die fehlende Balance über Geschwindigkeit, durch  Ausbrechen oder Schlurfen und langsamer werden zu kompensieren. Dabei werden die Gelenke verschleissend belastet, weil das Pferd nicht in der Spur bleibt und die Fliehkräfte wirken.
 
Wenn ich longiere, mache ich dies immer ohne Ausbinder und auf einem grösseren  Teil des Reitplatzes. Dabei laufe ich viel mit dem Pferd mit und wechsle zwischen geraden Strecken und Volten ab.
Jedes Pferd kann lernen, ohne Ausbinder in einer physiologischen Haltung zu gehen.  Wenn dies nicht der Fall ist, muss das Training, der Stresslevel des Pferdes oder dessen Gesundheit hinterfragt werden. Die Ausbinder oder auch andere Hilfsmittel, die zum Longieren genutzt werden, haben einen grossen Nachteil: sie sind starr und lassen keine grosse Rahmenveränderung zu. Zwar kann man damit den Kopf des Pferdes runterholen, aber man hat damit nicht automatisch ein Pferd, das „über den Rücken“ geht.  Denn die Haltung des Halses ist nur ein Aspekt einer physiologischen und damit gesunden Haltung und sollte nicht als einziges Merkmal herangezogen werden.  Oftmals machen sich die Pferde mit den Ausbindern einfach nur fest und lernen eben nicht, den Rücken loszulassen.
 
Wenn wir im Wechsel zwischen geraden Strecken und Volten longieren, hat dies zwei Vorteile: auf einer Volte kommt es auch bei korrekter Biegung zu einer Kompression in den Facettengelenken, der Halswirbelsäule auf der Innenseite. Arbeitet man nun längere Zeit nur auf einer Volte, können dadurch bleibende Kompressionsschäden entstehen.  Dem kann man also gezielt durch das Longieren von geraden Strecken vorbeugen.
Der zweite Vorteil ist, dass man im Wechsel die dorsale und ventrale Muskelkette trainieren kann. Auf den geraden Strecken wird die dorsale Muskelkette, vereinfacht gesagt die Oberlinie, trainiert und auf den Volten die ventrale Muskellinie, also die Unterlinie, die Bauchmuskulatur.
 
Wenn also eine Longeneinheit gut aufgebaut ist, verschleisst sie die Pferde keineswegs.
 
 
Folgendes erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen rund ums Longieren:
Technik und Ausrüstung
Wie erkenne ich, ob das Pferd gut läuft
 

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