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Die Losgelassenheit ist ein wichtiger Punkt in der Ausbildung eines Reitpferdes. Jeder wünscht sich ein Pferd das locker vorwärts geht und bereit ist für die weiteren Stufen der Ausbildungsskala. Doch was sind die Voraussetzungen für ein losgelassenes Pferd?
In meiner Arbeit als Pferdephysio treffe ich viele Pferde, die an Verspannungen leiden. Verspannte Muskulatur kann nicht effektiv arbeiten und sich nicht locker an und abspannen. Ein verspanntes Pferd wird also nie losgelassen sein. Die Ursachen für Verspannungen sind vielfältig. Sie können zum Beispiel von einer Verletzung, oder einem schlecht passendem Sattel, oder einer muskulären Dysbalance herrühren. Aber auch ein Pferd das noch zu wenig Muskulatur hat verspannt sich, um das Reitergewicht zu tragen. Eine weitere Ursache auf die ich hier etwas näher eingehen möchte, ist die innere Angespanntheit. Oftmals wird diese Komponente zu wenig beachtet. Denn die innere und äussere Losgelassenheit sind stark miteinander verbunden. Die Erklärung warum das so ist, finden wir im vegetativen Nervensystem. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Gegenspielern, dem Parasympathikus und dem Sympathikus. In Angst und Stresssituationen wird der Sympathikus aktiviert und steigert die Herz- und Atemtätigkeit. Das sogenannte „Fight and Flight“ System ist aktiv. Die Muskeln sind stärker durchblutet und der ganze Körper ist in Anspannung, um eben zu fliehen oder zu kämpfen. Ist der Gegenspieler der Parasympathikus aktiv, das sogenannte „Rest and Digest“ System ist der Körper mit der Entspannung und der Regeneration beschäftigt. Die Darmtätigkeit ist angeregt und die Verdauung läuft auf Hochtouren. Damit ein Pferd gesund bleibt, müssen beide Gegenspieler gut im Wechsel funktionieren. Wenn also ein Pferd vermehrt unter Stress steht, ist der Sympathikus vermehrt aktiv und eine erhöhte Spannung der Muskulatur ist die Folge. Fällt dann die Phase aus, wo der Parasympathikus für Entspannung und Regeneration sorgt, weil der Stressauslöser nicht eliminiert wurde, sind Verspannungen und gesundheitliche Beschwerden vorprogrammiert. Die äussere Losgelassenheit wird also erschwert oder gar verunmöglicht. Stress im Pferdealltag hat viele Gesichter. So ist zum Beispiel der Zugang zu genügend Raufutter für das Pferd als Dauerfresser wichtig. Zu wenig Raufutter oder zu lange Fresspausen führen beim Pferd zu Stress. Weitere Faktoren können sein; zu wenig Sozialkontakte, ungünstige Herdenkonstellationen oder Überforderung im Training. Deshalb ist es wichtig die Pferde zu beobachten, um Stress zu erkennen und die Ursache so gut wie möglich zu eliminieren. Natürlich wird es uns nie gelingen jeglichen Stress von unseren Pferden fernzuhalten, das ist aber auch nicht nötig. Denn ein gewisses Mass an Stress kann ein Pferd vertragen und verarbeiten. Wir können nicht jegliche Traktoren oder Kühe oder sonstige "Hindernisse" auf dem Ausritt beseitigen. Es geht darum die Dauerstress Faktoren zu erkennen und abzustellen. Wenn wir lockere, losgelassene Pferde wollen, ist es auch wichtig die Psyche des Pferdes zu beachten.
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